(Fast) bio-vegan Gärtnern und Ackern im großen Stil

Heute waren mein Freund und ich wieder einmal in Kiels Sonnengarten in meinem Geburtsort Ottenstein. Obwohl Gerd Kiel Demeterlandwirt und kein Veganer, sondern Vegetarier ist, hält er schon seit vielen Jahren keine Nutztiere mehr und düngt auch weitgehend ohne ihre Exkremente. Lediglich außerhalb des Gewächshauses kam dieses Jahr 4 Jahre alter Schafmist bei Zucchinis, Kürbissen und diversen Kohlsorten zum Einstatz, weil der Pflanzenkompost nicht ausreiche.

Keine Tierexkremente im Gewächshaus

Im Gewächshaus aber werden nur Kompost und Kräutertees (pflanzliche Präparate) genutzt (zur Fragwürdigkeit der Demeterpräparate siehe weiter unten). Die Fotos zeigen, wie gut die pflanzenbasierte Nährstoffversorung mit Kompost den vielen Tomatensorten und Gurken bekommt. Auch Auberginen und zahlreiche andere Kulturen fühlten sich sichtbar wohl. Stolz erzählte mir Gerd, dass die schwerste Tomate in diesem Jahr knapp 1,5 kg wog.
Ein Großabnehmer verlange auch schon Gemüse, das nicht mit Tierexkrementen gedüngt wurde. Das macht Hoffnung.

Als ich in diesem riesigen Gewächshaus eine Hummel an einer wilden Malve entdeckte, fragte ich, ob er bei der Bestäubung irgendwie nachhelfen müsse, weil ich gerade eine Doku über Hummeln sah, wo neben dem natürlichen Leben der Tiere gezeigt wurde, wie Hummeln in einer Fabrik für den Versand gezüchtet werden – unter anderem, um Tomaten in Gewächshäusern zu bestäuben. „Nein, das läuft hier ganz natürlich“ antwortete er und zeigte auf die offenen Fenster.

Auch auf dem Acker ohne Mist

Auf den Feldern dürfen zahlreiche Ackerwildkräuter wachsen. „Nur einmal im Jahr wird gepflügt, gesät und geerntet. Sogar die Düngung von Mist und Kompost wird gänzlich eingestellt.“ heißt es auf der Webseite des Sonnengartens (Seite existiert nicht mehr; Stand 26.08.2020).

Anmerkung (07. Dezember 2021):

Tierhaltung ist in den Demeterrichtlinien vorgeschrieben – aber offenbar gibt es sogar Demeterlandwirt*innen, die es irgendwie schaffen, diese Vorgaben weitgehend zu umgehen.

Die „Präparate“ mit Kuhmist kommen hier allerdings schon zum Einsatz – auch das schreiben die Demeterrichtlinien vor. Über die Fragwürdigkeit des Einsatzes von „Kackhörnchen“ und der Problematik, dass esotherische Einflüsse und unwissenschaftliche Forschungsmethoden der Akzeptanz des Bioanbaus schaden berichtete eindrucksvoll Dr. Mai Thi Nguyen Kim in ihrer Wissensshow Maithink X am 21. November 2021.

Für mich ist klar: Der „Goldstandard“ im Bioanbau ist die Bio(zyklisch)-vegane Landwirtschaft, die an wissenschaftlichen Methoden orientiert ist und keine Tiere ausbeutet. Leider gibt es in meiner Umgebung (noch) keinen Betrieb / keine Solawi, die nach bio-veganen Kriterien anbaut. Daher war ich schon froh, an diesem Beispiel zeigen zu können, dass Landwirtschaft auch im großen Stil ohne Tiere geht. Ich bin außerdem sicher, dass das Weglassen des Präparate-Firlefanz nichts an der Bodenfruchtbarkeit ändern würde, und dass Kompost und eine Fruchtfolge, die Gründüngung einbezieht, Mist überflüssig machen.
Warum Mist mist ist, darüber habe ich im Übrigen schon zum Weltbodentag am 05.11.2011 geschrieben.

Nun freue ich mich schon auf Pellkartoffeln mit Schlangengurken(Soja)joghurt, darauf die Tomatensamen von Ochsenherz, Schwarzer Krim, San Marzano, Zuckertraube und Berner Rose zu sammeln und selbst zu vermehren (denn die Sorten sind alle samenfest).
Und übermorgen hole ich mir noch Getreide – Einkorn, Schilfroggen und Nackthafer, das ohne Nutztiere angebaut wurde – für mehr Freude beim Backen 🙂

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