In diesem Blog geht es um eine Gartengestaltung, die eine hohe Artenvielfalt ermöglicht und gleichzeitig Nahrung für Menschen erzeugt. Es geht also um den Anbau von Obst und Gemüse, Ernte und Verwertung, Experimente und Entdeckungen, um die Nutzung von Wildkräutern und um das Zusammenleben mit anderen Gartenbewohnern.
Zuerst veröffentlicht am 22. März 2015, überarbeitet am 14. Juli 2025
Was ist das für ein Garten?
Die verschiedenen Bereiche
Das Gartengrundstück auf dem auch unser Haus steht, befindet sich an der Nordsee und ist leider nur ca. 500m² groß. Es ist umgeben von hohen Bäumen, weshalb es nur wenige sonnige Bereiche gibt.

In dem Garten befinden sich ausdauernde Stauden, Obstgehölze, Blumen, Kräuter und kleinere intensiv bewirtschaftete Segmente mit einjährigem Gemüse, das in Reihenfruchtfolge und Mischkultur angebaut wird. Außerdem habe ich ein Tomatenhaus gebaut, wo jedes Jahr von oben geschützt aber luftig viele Sorten wachsen. Darüber hinaus gibt es einen Grünkompost, eine Komposttonne und wilde Bereiche – die sogenannten „Tu Nichts-Zonen“ mit verschiedenen Wildkräutern und Nahrungsgehölzen für Wildtiere, einer Trockenmauer, Totholzhaufen und einem kleinen Gartenteich.
Düngung und Aufrechterhaltung der Fruchtbarkeit ohne Tierhaltung
Geprägt haben mich Ideen aus der der veganen Permakultur und der bio-veganen Landwirtschaft (heute Biozyklisch-Veganer Anbau oder veganer Ökolandbau). Daher setze ich keine Stoffe aus der „Nutz“tierhaltung wie Mist oder Schlachtabfälle zur Düngung ein. In unveganen Biogärten ist es durchaus üblich, Horn-, Haar-, Feder-, Knochen- oder Blutmehl zu verwenden. Das passiert oftmals unwissentlich, da diese Tierbestandteile meist in schlecht deklarierten Düngern oder aufgedüngten Universalerden enthalten sind – versteckt hinter Bezeichnungen wie „organischer Dünger“, „natürlicher NPK-Dünger“ oder „aus natürlichen Rohstoffen“.
Die Bodenfruchtbarkeit wird mit Hilfe der Bodenlebewesen, Mulch (Rasenschnitt, Laub, Holzhäcksel), Kompost, Lebendmulch (z.B. Gundermann, Winterpostelein) und einer angemessenen Fruchtfolge aufrecht erhalten. Für anspruchsvollere Pflanzen werden ergänzend vegane Dünger hinzugezogen.
Auch werden keine „Nutz“tiere gehalten. Hier leben Menschen und Wildtiere in loser Gemeinschaft. Wie in einer Menschen-WG gibt es freudige und traurige Momente oder auch Konflikte, die es zu lösen gilt.
„Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“ (Albert Schweitzer)
Gemeinschaft mit (Wild-)tieren und Biodiversität
Sehr beeinflusst hat mich das Buch „Gärtnern im Biotop mit Mensch“ von den Klebers, das einen Ansatz für zukunftsfähiges Gärtnern vermittelt, bei dem es nicht nur das Naturschutz-Biotop gibt, in dem die Menschen möglichst ausgeschlossen werden, bei dem aber auch nicht der Mensch mit seinen Bedürfnissen im Vordergrund steht, sondern sein Tun Hand in Hand mit dem Naturschutz und der Förderung der Artenvielfalt geht.

Dass diese Kooperation im wahrsten Sinne Früchte trägt, zeigen auch bio-vegane Betriebe, die die Biodiversität fördern, denn intakte Ökosysteme bringen zugleich einen geringen „Schädlingsdruck“ mit sich – besser gesagt: Eine hohe Artenvielfalt vermeidet einseitiges Überhandnehmen einer bestimmten Tierart.
Warum „veganer Garten“- wie kam es dazu? Ein Rückblick
Meine ersten permakulturellen Anbauexperimente starteten 2003 auf dem Balkon mit Tomaten, Kartoffeln, diversen Kräutern und Tafeltrauben. Im Jahr 2004 habe ich mich anlässlich der Idee, einmal eine kleine Ziegenherde zu haben, mit der Herkunft unserer Nahrungsmittel intensiver befasst. Ich war bis dahin 15 Jahre lang Ovo-Lakto-Vegetarierin und Ziegenkäsefan. Als mir klar wurde, dass für diesen Käse den Jungen die Muttermilch vorenthalten wurde und dass die männlichen Jungtiere quasi überhaupt keinen Wert mehr hatten, wurde ich vegan. Folglich wollte ich natürlich auch keine unveganen Stoffe oder Methoden in meinem Garten einbringen beziehungsweise anwenden.

Etwa zeitgleich abonnierte ich das Magazin „Regenwurm“, welches insbesondere den Anbau von Lebensmitteln unter biologischen und veganen Gesichtspunkten erfasste.
Seither bin ich Fan von bio-veganer Selbstversorgung, für die mir von 2004 bis 2009 ein ehemaliger Kartoffelacker auf Lehmboden zur Verfügung stand. Seit 2010 gärtnere ich nun am Haus nahe Cuxhaven auf Sandboden, den ich mit der Zeit verbessert habe.
Im Obstbau kam später noch der „Oeschbergschnitt“ und diverse Veredelungstechniken dazu. Seit 2018 pflege ich eine nahegelegene Streuobstwiese.
Und heute / 2025?
Während in der ersten Fassung dieser Seite noch sehr im Vordergrund stand, keinem Tier ein Leid anzutun, haben mir die Tiere selbst gezeigt, wie grausam es unter ihnen teils zugeht – gerade in der Insektenwelt. Das hat meine Sicht etwas relativiert. Ich möchte aber im Austausch mit anderen Gärtnernden auf meinem Blog nach wie vor nach gewaltfreien Lösungen in Konfliktfällen suchen (Netze statt Gift, Lebend- statt Totfallen etc.). Gleichzeitig möchte ich nicht verbergen, dass ich selbst auch mal eine Ausnahme mache, wenn beispielsweise Blattläuse akut junge Veredelungen bedrohen, die mir wichtig sind.
Das vegane Gärtnern zur Aufrechterhaltung der Bodenfruchtbarkeit wie oben beschrieben halte ich für praktikabel. Mein Boden wird immer besser! 🙂
Aktuell hadere ich allerdings aufgrund gesundheitlicher Probleme mit meiner Ernährung, die seit nunmehr 20 Jahren vegan war. Fairerweise möchte ich hier offenlegen, dass ich seit einigen Wochen drei Tierprodukte wieder integriert habe – neben vielen anderen Maßnahmen, um mit der Zeit herauszufinden, was von alldem hilft. Vielleicht war es nur zu wenig Flüssigkeit oder (pflanzliches) Eiweiß, falsche oder zu wenig Bewegung, zu wenig Nahrungsergänzungsmittel oder alles zusammen. Vielleicht fehlen auch Nährstoffe, die nur in Tierprodukten vorkommen, beziehungsweise reicht meine Eigensynthese vielleicht nicht (mehr), um diese selbst in ausreichendem Maß herzustellen. Da ich aber nicht die Zeit oder Muße habe, eins nach dem anderen zu testen, mache ich alles was helfen könnte auf einmal und sehe dann später, wenn es mir wieder gut geht, was ich wieder weglassen kann. Immerhin: es geht mir schon wieder weitaus besser, nur möchte ich auf Dauer nicht derart viel Geld für Nahrungsergänzungsmittel ausgeben müssen, wie im Moment, zumal es diesbezüglich noch so viele offene Forschungsfragen gibt …